Zu Werkschließung und Stellenabbau bei Mahle

Demo gegen Stellenabbau bei Mahle Stuttgart und Schließung von Mahle Öhringen.

Der Stuttgarter Automobilzulieferer Mahle hat die Schließung des Werkes in Öhringen und Stellenabbau in Stuttgart und Feuerbach angekündigt. Dagegen gab es am 25. Juli eine Demonstration in Stuttgart von mehr als 2.000 KollegInnen an der wir uns auch beteiligt haben. Wir haben dazu folgenden Text verfasst und verteilt.

#fairwandel?– Nicht im Kapitalismus!

Wer hat den Reichtum dieser Gesellschaft geschaffen? Wer hat den Mahle Konzern zu dem gemacht, was er heute ist? War das etwa das Mahle-Management alleine? Wohl kaum!

Und jetzt soll die Arbeit vieler unserer KollegInnen nichts mehr wert sein. Angeblich zu teuer. Nicht mehr wettbewerbsfähig. Woanders geht das billiger. Wir können es nicht mehr hören!

Morgen sollen unsere KollegInnen in Öhringen entlassen werden. Und wer ist übermorgen dran?

Das Mahle Management muss lernen, dass ein Angriff auf eine Belegschaft ein Angriff auf uns alle ist. Das einzige was für uns als ArbeiterInnenklasse und „zu teuer“ ist; das einzige was wir uns für die Zukunft unserer Kinder nicht mehr „leisten“ sollten, ist der Kapitalismus. Deshalb Schluss mit diesem System.

Kann nicht alles so bleiben wie es ist?

Die kommenden und sich immer stärker abzeichnenden Veränderungen in der Metall-/Elektro-Industrie machen vielen Angst. Welche Folgen hat zum Beispiel die Entwicklung alternativer Antriebskonzepte, die in bislang noch nicht absehbaren Tempo den „Diesel“ und auch den „Benziner“ ersetzen könnten. Oder die sogenannte Digitalisierung, die „das Auto“ und seine Produktion grundlegend verändern werden?

Niemand von uns kann in die Zukunft sehen. Aber wer kann und will schon zurück zu früher, als man in Baden-Württemberg noch überwiegend von der Landwirtschaft lebte. Oder sprichwörtlich vom Export von Kuckucksuhren und Schwarzwälder Schinken. Dafür aber von Montag bis Samstag täglich zehn oder zwölf Stunden arbeiten musste?

Die „gute, alte Zeit“, die manche wieder herbeisehnen („Rettet den Diesel“) ist eine Legende. Niemand müsste Angst vor der Zukunft oder neuen Technologien haben, wenn da nicht der Kapitalismus wäre.

Wer legt in unserer Gesellschaft fest, was „Fortschritt“ ist? Wer bestimmt, an welchen Technologien geforscht wird und welche Produkte entwickelt werden? Wer entscheidet, wo etwas zu welchen Löhnen produziert werden soll?

Im Kapitalismus ist das der sogenannte „Markt“. Sprich die eiskalte Berechnung der Manager darüber, was sich möglichst gewinnbringend verkaufen lässt. Und wo die Produktionskosten am niedrigsten sind. So können auf dem „Altar der unternehmerischen Wettbewerbsfähigkeit“ unsere Jobs, unsere Tarifverträge und wohlmöglich auch viele Standorte im Mahle-Konzern geopfert werden.

Sich dagegen zu wehren ist richtig. Zum Beispiel mit der Kundgebung und Demonstration heute. Aber reicht das wirklich aus?

Wir meinen, es kann im Kapitalismus keine dauerhafte soziale Sicherheit geben. Denn die Profitinteressen der Unternehmen stehen im Widerspruch zu unseren Interessen als ArbeitnehmerInnen. Es reicht nicht aus, der Raffgier einiger hochbezahlter Manager Grenzen aufzuzeigen. Wir müssen an die Wurzel des Problems gehen. Den kapitalistischen Eigentumsverhältnissen und den Auswüchsen der Konkurrenzgesellschaft in der wir leben.

Wir wollen an die Stellen der vermeintlichen betriebswirtschaftlichen Logik einen gesellschaftlichen Plan und eine neue Form der Wirtschaft stellen. In der technischer und sozialer Fortschritt kein Widerspruch mehr sind und deshalb niemand vor der Zukunft Angst haben muss.

Wir wollen, dass an die Stelle der Interessen eines einzelnen Konzerns die in Räten demokratisch definierten Interessen der gesamten Gesellschaft treten. Nur ohne den, dem Kapitalismus innewohnenden Profitwahn von Großaktionären der Autoindustrie ist es möglich, sachlich abzuwägen, welche Antriebstechnologie in Zukunft diese eben genannten Bedürfnisse erfüllen kann. Nur durch eine neue Gesellschaft ist es möglich, den fortschreitenden Klimawandel zumindest zu verlangsamen und unseren Kindern eine lebenswerte Erde zu hinterlassen.


An die KollegInnen aus Öhringen

Bleiben wir realistisch, versuchen wir das Unmögliche!“

Ihr habt zwei Möglichkeiten. Entweder ihr lasst euch mehr oder minder widerstandslos in die Arbeitslosigkeit schicken. Oder ihr versucht die kleine Chance zu nutzen, die es vielleicht noch gibt, euer Werk zu „retten“. Welches von beiden die bessere Alternative ist, liegt auf der Hand!

Selbst wenn es nicht gelingen sollte, das Mahle-Management dazu zu zwingen, ihren Schließungsbeschluss für „euer“ Werk noch einmal rückgängig zu machen, dann ist es immer noch besser, gekämpft und verloren zu haben, als klein beizugeben! So bewahrt ihren euren Stolz als Arbeiterinnen und Arbeiter. Und ihr zeigt den Bossen, dass bei künftigen Angriffen auf andere Belegschaften ebenfalls mit Widerstand zu rechnen sein wird.

Aber was heißt das, gegen die Schließung kämpfen?

Die Aktion letztens vor der Mahle-Aufsichtsratssitzung und eure Beteiligung an der Demonstration heute sind ein guter Anfang. Aber es muss noch viel mehr passieren!

Ab morgen darf es bei euch keine einzige Überstunde mehr geben! Keine Sonderschicht! Und keinerlei Entgegenkommen falls die Werkleitung euch mal wieder braucht, um irgendwelche „Kohlen aus dem Feuer zu holen“. Ab jetzt müsst ihr der sprichwörtliche Sand im Getriebe sein.

Das gilt natürlich auch, wenn ihr Kolleg/innen aus anderen Standorten erklären sollt, wie man eure Produkte fertigt. Seid nett zu ihnen, aber erklärt Ihnen was die Arbeit betrifft nichts!

Wer wird schon so dumm sein, engagiert daran mitzuarbeiten, seinen eigenen Arbeitsplatz zu verlagern!?

Vermutlich werden bei euch am Standort demnächst Verhandlungen über einen sogenannten „Interessenausgleich und Sozialplan“ beginnen. Im Kern geht dabei darum, wer wieviel Abfindung bekommt und wann genau gekündigt wird. Vielleicht gibt es auch eine sogenannte „Transfergesellschaft“, die es älteren oder gering qualifizierten KollegInnen es leichter machen soll, einen neuen Job zu finden. Allerdings sind die Druckmöglichkeiten des Betriebsrats bei solchen Verhandlungen begrenzt. Denn er darf (rechtlich) nicht zu einem Streik aufrufen. Die IG Metall schon. Deshalb solltet ihr statt oder zusätzlich zu den Verhandlungen des Betriebsrats einen „Sozialtarifvertrag“ fordern. Der regelt inhaltlich zwar das Gleiche wie eine vom Betriebsrat verhandelter „Sozial“plan; aber für Tarifverträge darf man, dürft ihr dann auch streiken! Und genau das solltet ihr tun. Nicht irgendwann. Oder vielleicht. Sondern sobald es geht. Denn noch braucht Mahle euch. Bald nicht mehr!

Wie gesagt, Gewerkschaft ist gut. Wenn man mit ihr kämpft und streikt. Aber gibt es auch wirksame Dinge, die euch möglicherweise einfallen, zu denen aber die IG Metall nicht aufrufen kann. Seid einfach „kreativ“ und denkt daran: Wer kämpft kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!

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