Ob WIR streiken entscheidet nicht der Vorstand der Bahn!

Und auch nicht die BILD!

Wen meinen wir mir „WIR“. „WIR“ das ist die Arbeiter:innenklasse. Unsere Klasse. Die Klasse, die mit ihrer Arbeit den Reichtum unserer Gesellschaft schafft.

Wir halten den Laden am Laufen; nicht die Bosse! Ohne uns läuft keine einzige Fabrik und auch kein Krankenhaus. Ohne uns werden keine Kinder erzogen und ohne uns fährt kein Zug aus dem Bahnhof. Ohne uns gäbe es keine Häuser und keine Straßen. Es käme noch nicht mal Strom aus der Steckdose oder Wasser aus dem Hahn.

Wenn ein Teil unserer Klasse – aktuell der, der bei der Bahn als Lokführer arbeitet – der Auffassung ist, dass ihre Löhne zu gering sind, dann ist es ihr gutes Recht für Verbesserungen zu streiken.Denn – wie gesagt – ohne sie würde kein Zug fahren. Ohne die hochbezahlten Führungskräfte und Manager wahrscheinlich schon.

Niemand hat unseren Kolleginnen und Kollegen vorzuschreiben, ob und für was sie streiken. Keine Bahn-Bosse, keine Politiker und auch nicht die BILD.

Ja, und es muss „weh tun“! Denn es gibt keinen Streik, der niemanden stört! Es sei denn er ist wirkungslos. Wir fragen uns deshalb auch nicht, ob unser Zug ausfällt, sondern ob die Hetze der Herrschenden gegen die streikenden Lokomotivführer:innen nicht bald auch andere Teile unserer Klasse treffen kann? Was ist, wenn demnächst erneut die Erzieherinnen oder unserer Kolleg:innen bei Amazon streiken? Passt´s dann auch gerade nicht, weil Urlaubszeit oder Weihnachtsgeschäft ist? Oder dürfen sie „ausnahmsweise“?

Es geht dem Bahnvorstand und seinen Freunden nicht um die angebliche „Verhältnismäßigkeit“ oder den „richtigen Zeitpunkt“ für einen Streik; sondern sie wollen einfach nicht, dass Arbeiter:innen für bessere Arbeitsbedingungen kämpfen. Deshalb haben sie den Bundestag 2015 das sogenannte Tarifeinheitsgesetz beschließen lassen. Nicht um unterschiedliche Tarifverträge in einem Betrieb zu vereinheitlichen, sondern um Streiks zu unterbinden. Das Gesetz müsste eigentlich „Streikvermeidungsgesetz“ heißen. Um die Einheit unserer Klasse im Kampf müssen wir uns nämlich selber kümmern! Nicht der Bundestag!

Streikende Arbeiter:innen sind für uns ein Vorbild. Und wir fragen uns: warum sich nicht auch andere Teile unserer Klasse gewerkschaftlich organisieren? Warum kämpfen so viele so wenig gegen offensichtliche Ungerechtigkeiten? Warum lassen sich große Teile unserer Klasse von den Kapitalisten so viel gefallen? Ist es Gleichgültigkeit, die Angst zu kämpfen oder der fehlende Zusammenhalt? Ganz egal was es ist, wir müssen es hinter uns lassen! Wir brauchen eine neue Kultur des gewerkschaftlichen und politischen Widerstands. Nicht erst wenn uns die Kosten der Corona Krise von der nächsten Bundesregierung „aufgetischt“ werden.

Und wir brauchen ein Streikrecht, das allen Arbeiter:innen jederzeit (!) ermöglicht, für ihre Rechte zu kämpfen. Nicht nur wenn gerade Tarifrunde ist und „offiziell“ dazu aufgerufen wird!

Bei der Bahn gibt es zwei Gewerkschaften: einmal die dem Beamtenbund angeschlossene Gewerkschaft der Lokomotivführer (GdL) und die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG), die zum Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) gehört.

Zwei Gewerkschaften sind meistens nur halb so stark wie eine. Im Schlimmste Fall bekämpfen sie sich gegenseitig und der Bahnvorstand ist der lachenden Dritte. Für unsere Klasse ist das Prinzip „eine Branche – eine Gewerkschaft“ das Beste, weil es uns die größte Macht gibt, unsere Interessen gegen die Kapitalisten durchzusetzen. Aber es muss eine Gewerkschaft sein, die bereit ist zu kämpfen und nicht im „Sumpf der Sozialpartnerschaft“ feststeckt. Viele Bahnbeschäftigte haben aber leider bei der EVG genau diesen Eindruck. Und dann nützt das richtige Organisationsprinzip auch nicht viel. Oder wie heißt es doch: Es gibt nichts Richtiges im Falschen!

An der GdL kritisieren wir, dass gewerkschaftliche Solidarität mehr sein muss als der Kampf für die besonderen Interessen eine bestimmten Berufsgruppe. Auch wenn wir anerkennen, dass sie sich in jüngster Zeit bemüht, auch weitere Beschäftigtengruppen bei der Bahn zu organisieren.

Der Mut der GdL und die Hartnäckigkeit auch entgegen aller öffentlichen Anfeindungen zu streiken, beeindruckt uns. Aber wenn man streikt, sollte das Ziel mehr sein, als noch nicht mal den Ausgleich der Preissteigerungsrate durchzusetzen. Damit ist man „beim Tarifergebnis“ auch nicht viel besser als diejenigen, die man selbst als „Einkommensverringerungsgesellschaft“ (EVG) verhöhnt. Dazu kommt, dass uns die jüngsten Äußerungen des GdL-Vorsitzenden zur „Einheitsgewerkschaft“ (dass AfD-Mitglieder seiner Auffassung nach dazu gehören sollten) mehr als verwundert haben. Der Gedanke der verschiedene politische Auffassungen zusammenschließenden „Einheitsgewerkschaft“ ist eine Konsequenz aus dem deutschen Faschismus. Nicht zuletzt weil die Arbeiterbewegung vor der Machtübertragung an die Nazis zerstritten war, konnten diese ihre Macht behaupten und eine Diktatur errichten. Menschen, die diese Diktatur für einen „Fliegenschiss der Geschichte“ halten (so z.B. AfD Gauland und viele seiner Parteifreunde) haben in einer Einheitsgewerkschaft nichts zu suchen! Antifaschismus ist für eine Gewerkschaft nicht verhandelbar!

Aber wir fragen trotz aller Kritik an EVG und GdL nicht zuerst, wer die bessere Gewerkschaft bei der Bahn ist? Denn diese Diskussion ist sinnlos, weil sie von der wesentlichen Frage ablenkt. Nämlich: was nützt unserer Klasse am meisten!? Das wäre eine alle Berufe und Betriebe bei der Bahn umfassende kämpferische Einheitsgewerkschaft. Die mutig streikt, wenn es nötig ist. Sich aber auch bei politischen Fragen intelligent und kritisch zu Wort meldet. Und in der auch diejenigen ihren Platz haben, die für eine Gesellschaft jenseits des Kapitalismus kämpfen.

In diesem Sinne wünschen wir uns, dass der Teil unserer Klasse, der bei der Bahn arbeitet, möglichst bald zu einer neuen Einheit im Kampf findet. Auch wenn es dafür heute noch ein wenig Phantasie braucht.

Um unsere Solidarität mit den streikenden Kolleg:innen auszudrücken, haben wir am vergangenen Mittwoch Plakate und ein Transparent am Waiblinger Bahnhof aufgehangen. Uns war wichtig, der ständigen Hetzte von BILD Zeitung und Co. Etwas entgegen zu setzen und über die Hintergründe des Arbeitskampfes aufzuklären. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch für die Proteste gegen die Internationale Automobil Ausstellung geworben. Für uns ist nämlich klar: Eine vernünftige, an den Interessen unserer Klasse ausgerichtete Verkehrspolitik lässt sich nur mit den Kolleg:innen aus Bus und Bahn durchsetzen.

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