We want Santi back! Solidaritätsaktion in Stuttgart mit Gorillas-Rider in Berlin (de/en)

English version below!

Wir, die Organisation Solidarität und Klassenkampf und Rider von Lieferando, haben gestern vor dem Gorillas-Stützpunkt in Stuttgart eine Solidaritätsaktion gemacht. Wir erklären uns solidarisch mit den Rider des Lieferdienstes Gorillas in Berlin und speziell mit dem gekündigten Santiago (Santi).

 

Was geht bei Gorillas in Berlin?

Diese Woche wurde in Berlin der Rider (Fahrradkurier) Santiago von Gorillas fristlos gekündigt. Viele seiner Kolleg:innen traten umgehend in einen wilden Streik, blockierten mit Unterstützer:innen Berliner Stützpunkte des Start-Up’s und forderten neben seiner sofortigen Wiedereinstellung eine Abschaffung der Probezeit und keine fristlosen Kündigungen mehr.

 

Miese Jobs

Gorillas wurde letztes Jahr gegründet. Das Start-Up bietet die Lieferung von Einkäufen zu Supermarktpreisen innerhalb von 10 Minuten nach Bestellung an. Man muss kein BWL studiert haben um sich auszurechnen, dass dieses Konzept nur mit miesen Löhnen und massivem Stress für die Rider funktioniert. Und genau so ist es: Die Rider sind überwiegend migrantisch, können oft schlecht Deutsch oder haben als Geflüchtete einen unsicheren Aufenthaltstitel. Sie sind auf den Job angewiesen und können gut unter Druck gesetzt werden.

Aber kaum jemand hält den Job länger als ein paar Monate aus, was dazu führt, dass die meisten – wie der gekündigte Santiago – sich in Probezeit befinden. Für die Bosse ist das komfortabel, sie können so alle schnell und ohne Angabe von Gründen kündigen, die entweder nicht „performen“ oder sonst wie Ärger machen.

 

Start-Up = Union-Busting

Unter „Ärger“ versteht die Unternehmensführung vor allem auch, wenn sich Arbeiter:innen organisieren. So sabotiert Gorillas in Berlin die Gründung eines Betriebsrats. Unbeirrt davon machen die Kolleg:innen weiter und organisieren sich etwa im „Gorillas Workers Collective“, welches auch den aktuellen Streik und die Blockaden in Berlin organisiert.

Sowohl die Arbeitsbedingungen als auch das Vorgehen gegen die Organisierung von Arbeiter:innen (genannt Union-Busting) sind so alt wie der Kapitalismus. Aber besonders ach so „hippe Start-Up’s“ in der Lieferbranche machen davon intensiv Gebrauch, so etwa bei Lieferando seit Jahren.

 

There is no way we can lose!“

Der Geschäftsführer von Gorillas, Kagan Sümer, erklärte in einer geleakten, internen Mitteilung an sein Management: „Ich würde lieber sterben, um die Werte zu verteidigen, als zu deeskalieren“. Trotzdem lassen sich die Kolleg:innen von Gorillas Berlin nicht unterkriegen. Sie wissen: Die Bosse können eineN, zwei oder drei Rider feuern, aber sie können keine 50 oder 100 feuern. Denn: Die Bosse werden sich nicht selbst auf’s Rad schwingen und die Lieferungen ausfahren. Wenn alle zusammenstehen, können die Kapitalist:innen nicht gewinnen. Gerade mit dem wilden Streik und der Blockade setzen sich die Kolleg:innen bewusst über irgendwelche Gesetze hinweg und tun was richtig ist.

In Solidarität mit diesem Kampf haben wir heute vor dem Gorillas-Stützpunkt in Stuttgart-West eine kleine Aktion gemacht und senden solidarische Grüße nach Berlin!

 

Ansage eines Gorillas-Rider:


English version:

We want Santi back! Action in Stuttgart in Solidarity with Gorillas Riders Berlin

We, the Organization „Solidarität und Klassenkampf“ and Riders of Lieferando were in front of the Gorillas branch at Stuttgart. We made an action in solidarity with the riders of Gorillas in Berlin, especially with Santi, who was fired this week.

What’s going on at Gorillas in Berlin?

This week the rider Santiago (called Santi) received a termination without notice from Gorillas in Berlin. Many of his colleagues started a wildcat strike by return. Together with supporters they blocked at least two Berlin branches of the start up. Beside the re-employment of Santi they demand an end of Probezeit and of terminations without notice in general.

Bad Jobs

Gorillas was founded last year. The start up offers the delivery of groceries at retail prices within ten minutes after online order. You must not have studied business management at university to know, that that does only work with bad wages and stress for the riders. And that’s just how it is: The riders are mostly migrant, often speak German not that good or as refugees they have problems with their residence status. They depend on the jobs and can be pressured easily.

Only few do this job longer than a couple of months. Due to this many are in Probezeit just like Santiago. The bosses are very comfortable with that as they can fire Riders fast and without any reason if anyone does not “perform” or “makes trouble”…

Start Up = Union Busting

For the management “trouble” means when workers get organized. Because of that Gorillas management undermined the election of a Betriebsrat in Berlin. But the colleagues are not impressed by such things and continue organizing like as “Gorillas Workers Collective” which is leading the current struggle also.

The bad working conditions such as the so called union busting are as old as capitalism. But especially “hip start up’s” in delivery service sector make use of this intensively, such as Lieferando.

There is no way we can lose!”

Kagan Sümer, CEO of Gorillas, wrote in an internal message to his management which was leaked: “I would rather die than deescalate to defend our values”.

Despite this the colleagues of Gorillas Berlin know: The bosses may fire one, two or three riders, but they cannot fire 50 or 100. Why? The managers will not ride a bicycle and dispatch all the deliveries all day long. If all stand together the capitalists cannot win.

With the wildcat strike and blockades the colleagues may break some existing laws, but they simply do what is necessary.

In solidarity with that struggle we made a small action in front of the Gorillas branch in Stuttgart-West and send solidarity greetings to Berlin!

 

Statement of a Gorillas rider:

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